München? Logisch.

Schon wahr, das Neue, das Improvisierte hat es oft schwer in München. Wenn man hier lebt und auch gelegentlich in anderen schönen Städten zu Gast ist, fällt einem vieles ein, dass die Stadt, weltoffener, lässiger, moderner, noch lebenswerter machen könnte. Aber dann schaut man an einem Sonntag morgen aus dem Fenster, sieht den blauen Himmel, steigt ins Auto, in die Bahn oder auf‘s Rad, und sitzt eine dreiviertel Stunde später auf dem Land. An einem See (dem Staffelsee bei Murnau etwa). An einem Moorweiher (beinahe kitschig schön der Kirchsee bei Sachenkamm). Auf einer Waldlichtung. Man sieht die Berge. Sitzt in einem Wirtsgarten (beim Jägerwirt in Kirchbichl etwa). Lässt alle Einwände hinter sich und es fällt einem wieder ein, warum München in den Rankings der lebenswertesten Städte regelmäßig vorne mit dabei ist. Die Lage, logisch. Die Nähe zum Süden. Zwei Stunden bis zum Brenner, nochmal zwei und man sitzt unter Palmen (am Gardasee etwa). Zuletzt landete München auf der Liste der New York Times auf Platz 5 der weltweit attraktivsten Reiseziele 2019, vor allem wegen der Oper, der Theater und der Museen. Dass München ein Sehnsuchtsort ist, begriff ich das erste Mal, als ich in Berlin lebte. Von Berlin aus ist man in gut zwei Stunden an der Ostsee. Auch nicht schlecht. Aber eben nicht dasselbe.

München selbst ist klein und überschaubar, verglichen mit Hamburg und Berlin. Die Stadt mit dem Fahrrad von Süden nach Norden zu durchqueren dauert kaum länger als eine Stunde, das hat Charme. Zugleich ist die überschaubare Größe aber auch Ursache von fast allem, was München anstrengend macht, wenn man hier lebt. Die Staus, die exorbitanten Mieten, die überfüllten U-Bahnen. Zu wenig Platz zu haben, ist elementarer Teil des Münchner Lebensgefühls. Ein freier Tisch im Restaurant ist ebenso Glückssache wie ein Glas Wein für weniger als acht Euro für 0,1 Liter. Die Enge ist aber auch ein Grund, weshalb man alles stehen und liegen lässt, sobald das Wetter schön genug ist, um irgendwo draußen zu sitzen. Meist ist die kleine Flucht aus dem Gedränge gleich um die Ecke. Beim Griechen, beim Italiener, im Hofgarten. An der Isar in die Sonne blinzeln, im Englischen Garten eine Decke ausbreiten oder auf einem sonnigen Balkon ein Bier trinken. Irgendein Anlass anzustoßen, findet sich schon und sei es zur Feier des Tages. Dann radeln Menschen in Neoprenanzügen, ein Surfbrett unter dem Arm, mitten durch die Stadt, in der Tramlinie 18 steigen Gymnasiasten in Badehose aus dem Eisbach an der Haltestelle Tivoli zu. In München, sagte mal ein Freund aus dem Norden, sehen alle immer so gesund aus. Tja.